Meine
Wiege stand in der ehemaligen Tschechoslowakei (CSSR). Ich erfuhr dort am
eigenen Leib, was es heisst, wenn eine selbsternannte politische Elite ihre
Macht über ein friedliches und anständiges Volk ausübt. Ich wusste schon als
Kind, dass Begriffe wie Freiheit, Unabhängigkeit oder Selbstbestimmung nicht in
einem Parteibuch der kommunistischen Partei zu finden sind. Die von Moskau
gestützte sozialistische Regierung in Prag liebte es, ihre Macht voll auszuüben.
Und wer sich ihr nicht unterwarf, wurde «ausradiert», physisch und psychisch...
Das diktatorische Regime in der CSSR
dauerte bis 1989. Dann kam im November der Studenten-Aufstand, die «Sanfte
Revolution». Ich war mitten im Medizinstudium, stand ebenfalls auf einem grossen
Platz in Bratislava und sang Freiheitslieder, ohne zu wissen, ob ich noch heil
nach Hause komme. Niemand wusste es, denn die bewaffneten Hilfskräfte der
Machthaber waren allgegenwärtig und bereit, sofort einzugreifen. Es war bitter
kalt an diesem Tag, es schneite leicht, aber in unseren Herzen brannte die Liebe
zur Freiheit, und sie gab uns die Kraft, durchzuhalten. Am nächsten Tag war
nichts mehr so, wie es vorher war: In Berlin fiel die Mauer und bei uns der
«Eiserne Vorhang»! Die Hoffnung auf Freiheit und Unabhängigkeit, die viele schon
aufgegeben hatten, blühte wieder auf, und mühsam eroberte sich in der
Zwischenzeit der junge Staat seinen Platz auf dieser Welt.